2025

28. September

Bikeside Festival Einsiedeln

Am Sonntag stand für mich in Einsiedeln das letzte Rennen der Saison  auf dem Programm. Bei schönem Wetter aber sehr tiefen Temperaturen gings direkt zur Sache: Fanger drückte ordentlich aufs Tenpo und so zog sich das Feld bereits früh weit auseinander. Mit einem 5-Minuten Jahresbestwert in den Beinen gings in die erste sehr rutschige Abfahrt. Die Spitzengruppe hat sich formiert doch nun war es der Europameister Seewald, der aufs Tempo drückte - und das tut meistens sehr weh. So musste ich die vierköpfige Spitzengruppe bereits am zweiten Berg ziehen lassen und war fortan alleine unterwegs. Als ich dann nach dem dritten Anstieg merkte, dass der Abstand nach vorne eher anwächst und von hinten eine Gruppe näher kommt, liess ich Claes und Heinzer auffahren, um in den rollenden Passagen von der Gruppe zu profitieren. Heinzer wollte aber nicht wirklich mitführen und so versuchte ich nach der ersten Zielpassage die Gruppe wieder zu sprengen in der Hoffnung, dass ich mich mit Claes von Heinzer absetzen kann. Es war dann aber Claes der reissen lassen musste und so konnte ich dann Heinzer erst beim nächsten Anstieg abschütteln. Von da an war ich wieder alleine unterwegs und versuchte, in den Anstiegen so hart zu fahren, dass ich in den durch die Regenfälle der Vortage sehr rutschigen Abfahrten nichts riskieren musste. Dieser Plan ging auf und so erreichte ich das Ziel als Fünfter.
Es ist wieder der Fünfte Platz bei einem nationalen Rennen - mit dem bin ich bei der Besetzung auf jeden Fall zufrieden sein kann. Doch die Richtung für die Zukunft soll klar sein: bei solchen Rennen will ich nächstes Jahr ums Podium mitfahren können. Doch das ist Zukunftsmusik - jetzt geniesse ich den Herbst, muss Mitte Oktober für 4 Wochen in den Zivildienst und dann werde ich mit der Vorbereitung für 2026 beginnen.


21. September

HERO Marathon World Cup Girona

Gestern stand das letzte Weltcup-Rennen der Saison in Girona an. Ein technisch sehr anspruchsvoller Kurs führte über 82 Kilometer und knapp 3000 Höhenmetern mit sehr steilen Anstiegen und einem so hohen Singletrail-Anteil, wie wohl bei keinem anderen Marathonrennen. Seit Mittwochabend bin ich in Girona und die hohen Temperaturen sollten das Rennen zusätzlich hart machen. 
Ich kam am Start einigermassen gut weg, bin dann aber in einer grossen Verfolgergruppe ein paar hundert Meter falsch gefahren. So verlor ich etwas Zeit und steckte nachher auf den Trails im "Verkehr" fest. Nach der zweiten Abfahrt zog sich aber das ganze Feld auseinander und es war schwer, Positionen und Zeitabstände auszumachen. So fuhr ich fortan einfach mein Rennen. Nach ca. 90 Minuten setzte extremer Regen ein, was die Abfahrten nochmals viel schwieriger machte. Ich verlor bergab auf die Fahrer um mich herum jeweils bisschen Zeit, konnte aber in den Anstiegen immer sehr zügig fahren und wieder Positionen gut machen. Durch die schwieirgen Bedingungen kam es zu vielen Stürzen und so musste ich sogar anhalten und einem Fahrer erste Hilfe leisten und im Helfen, eine Blutung am Arm zu stoppen. Ich hatte aber einen sehr guten Tag und so konnte ich in der zweiten Rennhälfte nochmals einige Ränge gutmachen. Mit einem starken Finish und auch einem technisch sehr soliden Schlussteil konnte ich mir den 21. Rang sichern. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden bei den anspruchsvollen Bedingungen.


6. September

Marathon WM - Grand Raid

Seit über 3 Jahren war bekannt, dass die Marathon WM 2025 im Wallis stattfinden wird. Dieses Rennen war für mich das Fernziel für die letzten Jahre und motivierte mich nicht zu letzt, um den Sport noch weiter auf diesem Niveau auszuüben. Am Samstag war es nun endlich soweit: auf 125 Kilometern und 5025 Höhenmetern führte das Rennen von Verbier nach Grimentz auf der berühmten Grand Raid Strecke. Ich legte mir schon vor Wochen einen Plan zu recht: in den ersten 3 Stunden nicht überpacen, um dann hinten raus aufzudrehen. Mir war klar, dass ich dadurch zu Beginn des Rennens weit zurückliegen werde aber das hat mich überhaupt nicht nervös gemacht. Ich hielt ganz strickt an meinem Plan fest und so lag ich in Heremence ca. bei Rennhälfte auf dem 47. Rang. Ab da begann meine Aufholjagd. Bereits im Anstieg zum Mandelon konnte ich mich auf Rang 40 vorarbeiten - und der längste und härteste Anstieg folgte erst. Nach 4 Stunden in Evolene angekommen fühlte ich mich noch richtig gut und wusste, dass noch einiges möglich sein wird. Denn nun büsten die Fahrer, die zu Beginn des Rennens zu schnell gefahren sind. Meine Aufholjagd ging weiter und auch wenn ich langsam an Leistung und Energie verlor, konnte ich dennoch weitere Fahrer ein- und überholen. Es lief alles genau so, wie ich mir das vorher vorgestellt habe - nur das ich zu keinem Zeitpunkt im Rennen wusste, auf welchem Rang ich mich befinde. Dann kam die Laufpassage zum Pas de Lona, auf die ich mich irgendwie freute. Die Hunderten von Zuschauer auf über 2700 Metern über Meer zogen mich regelrecht den Berg hoch und ich war zweitweise den Tränen nahe. Die Schmerzen im ganzen Körper, der Stolz über das Gelingen meines Plans, der ohrenbetäubende Krach der Zuschauer, das Realisieren, dass heute der grosse Tag ist, auf den ich so lange hingearbeitet habe und das Wissen, dass ich es bald geschafft habe. Das Ganze löste so viele Emotionen aus, was mich noch mehr antrieb und die Schmerzen vergessen liess. 
Ich kann in der letzten Abfahrt noch einen Rang gut machen und erreiche das Ziel als 30. 
Als 82. der Weltrangliste musste ich mich bei meiner ersten Teilnahme in diesem brutalen Rennen nur von 29 Fahrern geschlagen geben. Ich zog meinen Plan konsequent durch und er ging zu 100 % auf. Das Training der letzten 12 Monaten zielte darauf ab, an diesem Tag das Maximum zu erreichen - und genau das habe ich geschafft. Nach einer anspruchsvollen Zeit mit dem durchzogenen Swiss Epic, dem Verlust von meinem Noni und zwischenzeitlich immer grösser werdenden Zweifeln an meiner Form. Das Rennen ist wohl die grösste Genugtuung, die ich im Sport je erleben durfte. Und, dass ich das Ganze mit meiner Familie und Freunden erleben durfte, bedeutet mir alles.


30. August

Nationalpark Bikemarathon

Seitdem durchzogenen Swiss Epic freute ich mich speziell auf den Nationalpark Bike Marathon. Nochmals ein Heimrennen und endlich die Vallader-Strecke finishen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das sehr garstige Wetter hat das OK gezwungen, das Rennen auf der Alternativstrecke auszutragen. Es war gestern um kurz nach 7 in Scuol so ungemütlich, dass ich all meine Kleider, die ich eigentlich nach dem Einfahren noch ausziehen wollte, anbehalten habe und so mit Regenjacke, Überhose und Winterhandschuhen gestartet bin. Das Rennen lief zunächst ganz gut und ich kam ohne grössere Probleme mit der Spitzengruppe mit. Im einzigen längeren Anstieg zur Alp Griatschouls versuchte ich es mit einer Tempoerhöhung doch wurde dann direkt von Seewald und Stauffer ausgekontert. Leider musste ich auch Urs Huber und Janis Baumann etwas ziehen lassen und realisierte dann auch bald, dass es mir heute irgendwie schwierig fällt, so richtig zu leiden. Immer wieder musste ich an mein Noni denke, die am Dienstagmorgen von uns gegangen ist. Das setzt so vieles in Relation und machte es in der Situation nicht einfach, sich so richtig zu quälen - und das noch bei dem Wetter. So musste ich die ersten vier ziehen lassen und wartete auf den Sechsten, um die flachen Kilometer zurück nach Lavin nicht alleine in Angriff nehmen zu müssen. Nach Lavin konnte ich mich nochmals absetzen und den 5. Rang sichern - was mir eigentlich völlig egal war. Ich wollte einfach heil und gesund ins Ziel kommen. So riskierte ich nichts mehr und schonte auch meine Beine ein wenig. Schliesslich steht nächste Woche bereits die WM an. Kurz vor dem Ziel wurde ich dann nochmals von den Emotionen übermannt und so war ich zurück in Scuol dann doch körperlich und mental ziemlich geschafft. 

Nächste Woche geht es nach Verbier zur WM. Ich freue mich sehr und weiss, dass meine Form immer noch da ist. Und doch realisierte ich, dass es letztendlich doch einfach nur ein Bikerennen ist. Und das ist nicht als Gleichgültigkeit gemeint sondern vielmehr, dass es viel wichtigere Dinge gibt. Und ich weiss, meinem Noni wäre es egal gewesen, ob ich erster, fünfter oder letzter werde - wenn ich gesund und glücklich im Ziel bin, ist alles andere egal.


13 - 17. August

Swiss Epic

Stage 1

Ich nehms gleich mal vorweg: die erste Etappe war eine ziemliche Ernüchterung für mich. Die Kunst am erfolgreich Rennen fahren ist es, möglichst viele richtige Entscheidungen zu treffen. Wann macht es Sinn, mit der Gruppe mitzufahren? Wann muss man den eigenen Rhythmus suchen? Wie lange kann man im roten Bereich fahren? Bei Partnerrennen ist das noch etwas schwieriger, weil die eigenen Entscheidungen natürlich auch den Partner betreffen. Micha hat sich heute leider gegen seine eigene Erfahrung und sein Empfinden entschieden und ist zu Beginn für zu lange Zeit über seinen Verhältnissen gefahren, was er am Albulapass sehr bitter bezahlen musste. Wir verloren über 20 Minuten und erreichten das Ziel als 29. So ist ein gutes Ergebnis im Gesamtklassement bereits nach einem Tag vom Tisch. Das ist extrem ärgerlich und frustrierend und im Wissen, zu was ich hier in der Lage wäre tut das doppelt weh. 
Doch es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, es morgen besser zu machen. Meine Ambitionen muss ich begraben und den Rest der Woche versuchen, das Maximum aus unseren Voraussetzungen herauszuholen. Wenigstens weiss ich inzwischen, wie ich mit Rückschlägen beim Swiss Epic umgehen muss.

 

Stage 2

Das war schon was ganz anderes an der zweiten Etappe. Wir liessen es am anfang ruhig angehen und konnten uns dann an meinem Heimberg zur Alp Muntatsch (den ich heute laut Strava zum 93. mal gefahren bin) Position um Position nach vorne arbeiten. Besonders von Marguns zum Lej Alv konnten wir richtig Tempo machen, wo wir auf Rang 12 lagen. In der folgenden Abfahrt und den schnellen und flachen 20 Kilometer ins Ziel konnten wir nochmals zwei Teams einholen und den 10. Etappenrang einfahren. Ich selbst fühlte mich auch heute sehr gut und so bin ich das mehrheitlich flache Stück von Champfer ins Ziel quasi allein von vorne gefahren. In diesem fast 30 Kilometer langen Abschnitt verloren wir nicht mal eine Minute auf die Sieger der heutigen Etappe. Das stimmt uns zuversichtlich für das morgige Zeitfahren vom Berninapass über St.Moritz nach La Punt.
Sport kann einem so gut aufzeigen, wie schnell es nach einem Rückschlag wieder bergauf gehen kann. Wir haben es heute besser gemacht als gestern und ein solides Resultat eingefahren - wir bleiben dran und werden morgen natürlich wieder alles geben! 

 

Stage 3

Das Zeitfahren vom Berninapass nach La Punt war mal etwas ganz anderes. Im ersten Teil nach Pontresina mit vielen Singletrails kamen wir eigentlich ganz gut voran, wobei uns die Ortskenntnisse auf jeden Fall halfen. In zweiten Teil folgten ein paar Anstiege, die aber immer wieder von Abfahrten und Flachstücken unterbrochen wurden. Ich fuhr jedes Flachstück und jede Abfahrt mit letzter Konsequenz von vorne, damit Micha vom Windschatten profitieren kann und möglichst viel Ressourcen für die Anstiege übrig hat. Leider hatte er im einten oder andere Anstieg doch etwas Mühe und so mussten wir etwas Tempo rausnehmen, was für mich zeitweise etwas frustrierend war. Im letzten komplett flachen Teil von Samedan nach La Punt konnte ich dann nochmals alles raushauen und so reichte es heute für den 16. Rang. Sicherlich nicht das, was wir uns vorgestellt haben aber wir haben alles gegeben und so müssen wir uns doch irgendwie mit diesem Ergebnis zufriedenstellen. 

Stage 4

Resignation ist wohl die beste Beschreibung für meine aktuellen Gefühle. Wir haben uns für die heutige Etappe vorgenommen, dass Micha wieder das Tempo am ersten Anstieg vorgibt und wir dann nachher über den Scalettapass aufdrehen können, so wie am zweiten Tag. Der erste Teil des Plans ging auf, der zweite nicht. Weit hinten im Feld begaben wir uns in die Val Susauna und von da an wurde es immer schwieriger. Selbst im Windschatten in der Fläche hatte Micha heute Mühe, mein Hinterrad zu halten. Irgendwie kamen wir über den Scalettapass und im Dischmatal richtung Davos wurden wir dann noch von einem heftigen Gewitter heimgesucht. Zwischenzeitlich, als es um uns herum immer wieder heftig geblitzt und gedonnert hatte und man die Sonnenbrille ausziehen musste, um noch etwas zu sehen, war mir unser Rennen egal - ich wollte einfach heil ins Ziel kommen. Morgen steht die letzte Etappe an. Ich will einfach ohne Defekt und Sturz ins Ziel kommen und das Rennen hinter uns bringen. Es war eine schwierige Woche. Wir hatten beide sehr hohe Erwartungen, ein perfekt organisiertes Betreuerteam, Top-Suport von Bernina Sport, ein Hotel-Startpaket von La Punt und ganz viele Leute am Streckenrand, die uns anfeuerten und Mut machten. Doch es sollte nicht sein dieses Jahr. Ich war bereit für Grosses, das weiss ich. Aber man hat nicht alles in der eigenen Hand.

 

Stage 5

Das Swiss Epic 2025 ist Geschichte. Mit meiner 39. Swiss Epic Etappe habe ich heute mein 7. Swiss Epic gefinished. Und auch diese Austragung findet sein Platz neben all den Erinnerungen und Emotionen, die ich an dieses Rennen habe. Im Rennen gabs heute wie erwartet keine Wunder. Micha hatte grosse Mühe am Berg und ich musste irgendwie versuchen, ihn da zu unterstützen, wo es geht. Als 16. erreichten wir das Ziel und beendeten das Rennen auf dem 18. Rang im Gesamtklassement. 
Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr lehrten mich, demütig zu sein und zu verstehen, dass man trotz optimaler Vorbereitung nicht alles in der eigenen Hand hat. Und einmal mehr erkenne ich, wie wichtige eine hohe Frustrationstoleranz im Leistungssport ist. Doch nun heisst es nach vorne schauen. Mit dem Nationalpark Bike Marathon ende Monat und dem grossen Saison- , ja wohl Karrierehighlight an der Heim WM am 6. September stehen zwei ganz grosse und wichtige Rennen an.

 


9. August

Eiger Bike Marathon

6 Tage nach Lumnezia stand in Grindelwald mit dem Eigerbike eines meiner Lieblingsrennen an. Ich konnte das Tempo der Spitze am ersten Berg ohne Mühe mitgehen, verlor in der Abfahrt ein wenig den Anschluss konnte aber im Anstieg zum First etwa bei Rennhälfte wieder zur Spitze aufschliessen. Ich entschied mich, dieses Mal als Erster in die Abfahrt vom Bachalpsee zu gehen und siehe da: ich kann sowohl den Marathon Europameister und aktuellen Saisondominator Andreas Seewald als auch den ehemaligen U23 Weltmeister im Crosscountry Alexander Balmer in der technischen Abfahrt etwas distanzieren - ein absolutes Highlight für mich, der in den Abfahrt oftmals eher um den Anschluss kämpfen muss. Trotzdem lief die sechsköpfige Spitzengruppe bis zum letzten Anstieg nochmals zusammen und als Seewald attackiert war mir klar, dass ich da nicht mitfahren kann. Ich fuhr den einstündigen Anstieg in der brennenden Vormittagshitze in meinem Rhythmus und konnte am Ende den 5. Rang bis ins Ziel bringen. Mit der Leistung und meinem Rennen bin ich sehr zufrieden und nun ist es definitiv klar: ich bin gerade richtig "zwäg" - genau zum Swiss Epic, das in 2 Tagen beginnt, habe ich es geschafft, in Topform zu sein. Ohne Trainer und in kompletter Eigenregie habe ich die letzten 10 Monate daran gearbeitet, in diesen Wochen die beste Version von mir selbst zu sein. Dieses Gefühl tut mir nach den Rückschlägen vor genau einem Jahr beim Swiss Epic extrem gut.


2. August

Lumnezia Bike Marathon

Nach einem umfangreichen Trainingsblock in der Höhe wusste ich nicht ganz, was ich bei dem mit knapp 2 Stunden Rennzeit eher kurzen Rennen erwarten kann. Trotzdem entschied ich mich dafür, von Anfang an "voll drauf zu hauen" und so konnte ich mich bald mal zusammen mit Andrin Beeli absetzen und mir auch den Bergpreis sichern. Erst rund 5 Kilometer vor dem Ziel verlor ich Andrins Hinterrad in einer Abfahrt und kam dann im Finale mit vielen Richtungswechseln nicht mehr ganz heran und verlor im Ziel als Zweiter knapp eine Minute, wobei wir beide unter dem aktuellen Streckenrekord geblieben sind.


13. Juli

Schweizer Meisterschaft - Summerbike

Gestern war es so weit: mit der Schweizer Meisterschaft in Chateau d'Oex stand mein erstes grosses Saisonziel an. Die letzten Wochen drehte sich sehr viel um dieses Rennen: ich bereitete mich in der Höhe darauf vor, fuhr für eine Streckenbesichtigung extra in die Westschweiz und optimierte alles, damit ich an diesem Tag in Top-Form am Start stehe.
Wie erwartet ist es Casey South, der von Beginn an aufs Tempo drückt und am ersten Berg mit Hansueli Stauffer wegfährt. Ich bin in der Verfolgergruppe mit den weiteren Medaillen-Kandidaten Marc Stutzmann, Andrin Beeli und Urs Huber. Weiter ist auch der Belgier Frans Claes in der Gruppe, der allerdings nicht um die SM-Medaillen fährt. Das Tempo zu Beginn ist extrem hoch: ich bin am ersten Berg Jahresbestwerte über 10 und 20 Minuten gefahren - ob ich das bis ins Ziel durchbringe? 
Als Stutzmann in der zweiten Abfahrt mit plattem Hinterrad am Streckenrand steht ist klar, das wir um den dritten Rang fahren werden und für mich ab dann auch klar, dass ich um jeden Preis versuchen werde mit Huber und Beeli mitzufahren. "Lieber vorne sterben als hinten nichts erben" ist mein Motto. Doch ich merke auch bald, dass ich in der Verfolgergruppe nicht fehl am Platz bin, denn das Tempo in den Anstiegen passt mir ganz gut. In einer steilen Wiesenpassage kann ich mich sogar etwas absetzen und werde erst rund 10 Minuten später wieder von den anderen eingeholt. Es läuft also alles ganz gut bis, ich nach rund 3 Stunden eine kleine Krise habe, gerade, als das coupierte finale losgeht. Inzwischen hat uns auch das Gewitter erreicht und es giesst gerade wie aus Eimern, es blitzt und donnert und ich muss die anderen drei Fahrer etwas ziehen lassen. Zwar bleibe ich noch sehr lange in Sichtkontakt aber so wirklich näher komme ich nicht mehr. Ich will in den inzwischen nassen und rutschigen Abfahrte nicht allzuviel riskieren und muss den Unterschied also in den Anstiegen machen. Beeli hat sich inzwischen auch von Huber abgesetzt, ich liege also auf dem 5. Rang - ein Top-Ergebnis für mich. Trotzdem will ich meine Chancen noch nicht begraben und fahre jeden Anstieg so hart es geht. Wenn einer vor mir noch einen Defekt hat kann ich vielleicht nochmals vorbeifahren. Doch so weit kommt es nicht mehr und ich erreiche das Ziel nach 3 Stunden und 54 Minuten (für 80 Kilometer und 3400 Höhnmeter) als 5. Schweizer mit bisschen mehr als 2 Minuten Rückstand auf den dritten Platz.  Natürlich wäre eine Medaille ein Traum gewesen, doch ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin mutig gefahren, habe alles probiert und im selektiven Finale einfach nicht mehr ganz die nötigen Beine gehabt. Solche Rennen werden in der letzten Stunde entschieden. Selten war ich bis jetzt noch dabei, wenn die "Crunch Time" beginnt - so fehlte mir vielleicht etwas die Erfahrung für solch eine Situation. Trotzdem bin ich zufrieden mit meinem Rennen, es war bis jetzt sicherlich das beste dieser Saison.


14. Juni

HERO Marathon World Cup Dolomites

Wie im letzten Rennbericht beschrieben, machten sich in den letzten zwei Wochen immer wieder Zweifel zu meinem Formstand und meiner Arbeit breit. Trotzdem habe ich es hinbekommen, meine Energie und Gedanken vor dem gestrigen Weltcup am HERO Dolomites in die richtige Richtung zu lenken. Das Rennen mit 85 Kilometer und 4500 Höhenmeter gehört zu den härtesten auf der Welt und markiert den dritten Stopp des Marathon-Weltcups. Und - dem war ich mir bewusst - mit meiner aktuellen Planung die letzte Chance für die direkte WM-Qualifikation.
Ich setzte meinen Plan während den ersten 2.5 Rennstunden perfekt um: kein Overpacing in den Anstiegen, kein unnötiges Risiko in den Abfahrten. So konnte ich am dritten und längsten Anstieg von Rang 30 auf Rang 20 fahren. Selbst ein ca. 2,5 Kilometer und 100 Höhenmeter langer Umweg - wir wurden vom Streckenposten falsch geleitet - konnte meine Aufholjagd nicht stoppen. Am Ende reicht es sogar für den 18. Rang, obwohl ich während den letzten zwei Stunden nichts mehr essen konnte - mein Magen war durch die Hitze ziemlich am Limit.
Mein bestes Weltcup-Ergebnis, die direkte Quali für die Heim-WM und endlich wieder ein gutes Gefühl im Rennen - was für ein Befreiungsschlag! Ich bin sehr zufrieden und weiss nun wieder, dass ich auf dem richtigen Weg bin.


1. Juni

HERO Marathon World Cup Andorra

Vom gestrigen Weltcup in Andorra habe ich mir viel erhofft. Die letzten Rennen liefen irgendwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe und auch wenn ich eine gute Saisonvorbereitung hatte konnte ich das bislang nicht in Resultate umwandeln. Es wäre also der ideale Zeitpunkt für einen "Befreiungsschlag" - auf einer Strecke, die mir mit 60 Kilometern und 2000 Höhenmeter und zwei langen Anstiegen liegen dürfte. Wenn alles ideal läuft, könnte ich mir mit einer Top-20-Platzierung sogar die direkte WM-Quali sichern. 
Direkt nach dem Start folgt eine lange Abfahrt. Die Positionierung wird also wichtig sein, da es das Feld bereits weit auseinanderziehen kann. Doch ich komme auf der Startrunde unverschuldet zu Fall und bin in der Abfahrt irgendwo zwischen Rang 40 und 50 alles andere als gut positioniert. Im ersten langen Anstieg kann ich zwar etwas Zeit gut machen, die ich in der darauffolgenden Abfahrt jedoch wieder verliere: ich hole mir unmittelbar vor der Techzone einen Platten am Hinterrad. Auch wenn ich dadurch nicht viel Zeit verliere ist es ein ordentlicher Rhythmusbrecher und ich fahre die restlichen rund 20 Minuten im anspruchsvollen Singletrail etwas verhaltener, wodurch ich wiederum Zeit verliere. Am letzten langen Anstieg kann ich dann lediglich 2 Ränge gut machen und erreiche das Ziel als 32. 
Irgendwie will es aktuell noch nicht wirklich. Zudem bin ich aktuell auch noch nicht wieder auf dem Formstand, wie letztes Jahr zur selben Zeit und das obwohl ich eigentlich sehr zufrieden mit meiner Vorbereitung war. Es ist aktuell nicht einfach, das Vertrauen in meine eigene Arbeit aufrechtzuerhalten und geduldig zu bleiben - doch genau das muss ich jetzt tun.


18. Mai

Jura Bike Marathon

Mit dem Jura Bike Marathon stand das erste Rennen in der Schweiz an. Die 71 Kilometer lange Strecke mit 2'800 Höhenmetern zählt für mich zu den schönsten der Schweiz, entsprechend freue ich mich immer darauf.
Ich habe mir wohl auf Elba eine leichte Erkältung eingefangen, welche mich schon die ganze Woche im Training eingeschränkt hat. Trotzdem fühlte ich mich in der Lage, am Rennen zu starten. Ich versuchte bewusst, nicht allzu oft in den roten Bereich zufahren um meine Lungen etwas zu schonen. Das hatte aber zur Folge, dass ich die Spitzengruppe relativ früh ziehen lassen musste und mich fortan um Rang 11 bis 13 befand. Daran änderte sich bis im Ziel nichts mehr, auch wenn ich zwei mal kurz falsch gefahren bin und ein mal vom Bike steigen musste, weil mir die Kette vom Kettenblatt gesprungen ist. Es war trotz einer konstanten Leistung bis ins Ziel auch nicht mehr möglich,  Zeit gut zu machen. Die Zeiten, in denen Fahrer an der Spitze eingehen, scheinen irgendwie vorbei zu sein. 
So werde ich am Ende 12. was unter den Umständen mit der Erkältung wohl das Maximum war.


10. Mai

HERO Marathon World Cup Capoliveri

Ich hab mir definitiv mehr als einen 50. Rang erhofft. Doch gleichzeitig bin ich eigentlich ein solides Rennen gefahren. Ich bin ohne grössere Zwischenfälle und auch ohne kompletten Energieeinbruch durchgekommen und verliere am Ende rund 15 Minuten auf den Sieger. 
Bei über 150 Elitefahrern und einer Strecke mit sehr hohem Singletrailanteil wurde ab der ersten Sekunde vollgas gefahren und das Tempo beruhigte sich nie. Die technischen Abfahrten liessen kaum Erholung zu und die knackigen Anstiege schmerzten regelrecht in den Beinen. Dazu kam der Staub und die heissen Temperaturen. 
Zusammengefasst ein richtig hartes Rennen, bei erschwerten Bedingungen, Weltklasse-Besetzung und einer Leistungsdichte, die ich so zuvor noch nie gesehen habe - 5 Minuten machten rund 20 Ränge aus. Und so ist es wahrscheinlich auch ein realistisches und ehrliches Ergebnis für mich bei diesem Rennen und unter diesen Voraussetzungen.
Ich nehme trotzdem eine tolle Woche auf Elba mit und schaue nun nach vorne zum Start in die Schweizer Marathon Saison am kommenden Sonntag in Vallorbe.


3. Mai

Bike Marathon Riva del Garda

Nach dem Andalucia Bike Race im Februar bin ich in Riva das erste "Mitteleuropa-Rennen" gefahren. Der Riva Bike Marathon ist traditionell das erste grosse Kräftemessen im Alpenraum und stellt mit 85 Kilometern und 3400 Höhenmetern eine echte Herausforderung dar. Ich kam in der zweiten Gruppe über den ersten Anstieg. Die Spitzengruppe hat sich jedoch in der Abfahrt verfahren und so war ich am zweiten Berg Teil einer rund 10-köpfigen Spitzengruppe. In den steilen Rampen konnten wir uns zu viert ein wenig absetzen, doch es lief noch vor der Abfahrt alles wieder zusammen. Zu Beginn des dritten Berges hatte ich dann eine kleine Krise und musste die Gruppe etwas ziehen lassen. Genau zu dem Zeitpunkt rauschten 3 der Fahrer aus der ehemaligen Spitze, welche sich verfahren hatten, wieder an mir vorbei. Gegen Ende des Anstiegs lief es mir wieder besser und ich bin von da an die letzten rund 45 Kilometer alleine gefahren. Es lief mir sogar wieder richtig gut gegen Ende des Rennens aber ich konnte nichts mehr ausrichten und erreichte das Ziel als 14. 
Ich bin mit meiner Leistung und der Art und Weise, wie ich das Rennen gefahren bin, sehr zufrieden. Dass es "nur" für den 14. Rang reichte, ist mit dem extrem hohen und breiten Niveau der Italiener zu erklären. 10 der 13 vor mir klassierten sind "Einheimische". 
Weiter geht's am nächsten Samstag auf Elba, wo der erste Weltcup ausgetragen wird.


24. Februar

Andalucia Bike Race

Stage 1

Wie erwartet wurde es von Anfang an extrem schnell. Ich hatte zu Beginn noch etwas Mühe mit dem hohen Rhythmus und muss mir die Rennhärte wohl erst wieder holen. Es wurde aber laufend besser und wir konnten uns in den ersten 10 Teams behaupten. Im Schlusssprint konnten wir uns dann noch durchsetzen und erreichten das Ziel als 9.
In diesem stark besetzen Feld und als erstes Rennen der Saison können wir auf jeden Fall zufrieden sein mit unserer Leistung. Micha war extrem stark heute und ich hoffe, ich kann über die nächsten 5 Tage noch etwas schneller fahren, denn es fehlt uns nicht allzu viel auf die Top-Teams. 

Stage 2

Wie erwartet war es heute eine sehr schnelle Etappe. Knapp 70 Minuten waren wir unterwegs und entgegen meiner persönlichen Erwartungen fühlte ich mich heute deutlich besser als gestern und so musste heute Micha etwas mehr auf die Zähne beissen. Wir haben uns auf der abwechslungsreichen Strecke aber gut geschlagen und den Rückstand klein gehalten. Wir wurden 14. auf der Etappe und sind nach wie vor 9. im Gesamtklassement. Wir sind num bereits in Jaen, wo wir die nächsten zwei Etappen bestreiten werden. Morgen wartet mit 2200 Höhenmeter die bergigste Etappe des Rennens - das entspricht viel mehr meinem Geschmack als die heutigen 750 Höhenmeter.

 

Stage 3

Rang 21 in der Etappe, nun 16. im Gesamtklassement mit 8 Minuten Rückstand auf die Top 10 - die Fakten nach dieser Etappe sind kurz, hart und ehrlich. Doch an diese Etappe werde ich mich noch lange erinnern. Micha, der die letzten zwei Tage so richtig stark gefahren ist, hat bereits früh im Rennen Probleme, das Tempo mitzugehen. Wir verlieren Zeit und ein Rang nach dem anderen.  Ich bin verwundert, denn Micha war wirklich in einer bestechenden Verfassung in den letzten zwei Tagen. Was ist also los? Er meint, es geht schon. Und tatsächlich wird es im Verlauf des Rennens wieder etwas besser. Auf einmal, als hätte er einen Schalter umgelegt, fährt Micha weg, sprintet in die nächste Abfahrt und distanziert mich bereits früh im schnellen Singletrail. Verwundert versuche ich, möglichst schnell hinterher zu fahren. Auf einmal steht Micha am Streckenrand - mit plattem Vorder- und Hinterrad. Wir "pluggen" beide Löcher und verbrauchen quasi unser ganzes Ersatzmaterial.

Mit der Wut im Bauch fahren wir die letzten Kilometer zurück nach Jaen und versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten. Morgen ist ein neuer Tag.

 

Stage 4

Ein weiterer schwieriger Tag heute. Ich musste kurz nach dem Start ein Problem mit meinem Schaltwerk beheben. Wir verloren dabei nur wenig Zeit, waren danach aber so weit hinten im Feld, dass wir uns an den ganzen Amateurfahrer vorbeikämpfen mussten.  In den langen Singletrails bergauf und bergab war das eine ziemliche Herausforderung. Micha hatte auch heute zu beissen doch wir kämpften uns stark zurück und kamen vor der letzten Abfahrt wieder in eine grosse Gruppe mit Elitefahrern. Der entstandene Schaden konnten wir also wieder etwas gut machen. Doch dann passierte es: Micha fuhr sich erneut einen Platten am Hinterrad ein. Dieses Mal war das Pluggen nicht möglich, da der Schnitt zu gross war. Wir mussten einen Schlauch einbauen um die letzten 10 Kilometer ins Ziel zu schaffen. Rund 5 Kilometer vor dem Ziel holt sich Micha erneut einen Platten und musste auf der Felge ins Ziel fahren. Wir verlieren sehr viel Zeit und somit auch die allerletzte Chance auf eine einigermassen ansprechende Platzierung im Gesamtklassement. Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt und bin schon etwas enttäuscht, zumal meine Verfassung ziemlich gut ist. Ändern kann ich es nicht. Darum gilt es jetzt, die letzten beiden Etappen als gutes Training anzuschauen, um doch noch einen positiven Abschluss dieser Woche zu haben.

 

Stage 5

Heute kam der ersehnten Befreiungsschlag: ein solides Rennen, keine Defekte und Rang 14 im Ziel. Es lief wirklich gut und wir konnten uns in einem taktischen Rennen gut schlagen. Action gab es heute dann erst nach dem Rennen. Beim ausfahren merkte ich, dass meine Schaltung nicht mehr so funktioniert, wie gewohnt. Wir haben versucht, das Problem zu finden und bemerkten, dass beim elektronischen Schaltwerk etwas nicht stimmt. Was wir befürchtet haben, hat uns ein Spanischer Vertreter der Marke SRAM (welche die Schaltung herstellt) mit dem Wort "Muerte" bestätigt: das Schaltwerk ist kaputt und man kann es nicht einfach so reparieren. Glück, dass es erst nach dem Rennen vorkam - Pech, dass es überhaupt passiert und nicht wenigstens erst nach dem 30 Kilometer langen Abschlusszeitfahren von morgen. 
Glücklicherweise hat uns ein anderes Team für die morgige Etappe ein Schaltwerk ausgeliehen. Dieses mussten wir dann noch installieren und so ist das Bike nun bereit für die letzte Etappe - und ich bin es auch! 

 

Stage 5

Es hätte nicht zu unserem Rennen gepasst, wenn alles reibungslos funktioniert hätte. Im Abschluss-Zeitfahren sind die Teams alle 30 Sekunden gestartet in umgekehrter Reihenfolge des Gesamtklassements. Wir waren auf den ersten Kilometer gut unterwegs und ich konnte viel Führungsarbeit übernehmen. Doch auf einmal begann es in den Singletrailanstiegen zu stauen, da wir auf die langsameren Fahrer vor uns aufgeschlossen sind. Wir mussten warten, laufen, unsere Bikes irgendwie an den Fahrern vor uns vorbeibringen. Von hinten drückten immer mehr Fahrer, die nach uns gestartet sind. Die Szenen erinnerten mich an die Staus beim Engadin Skimarathon, ein faires Rennen sieht anders aus. Und auch wenn alle Fahrer damit zu kämpfen hatten, war es nicht für alle gleich. Für die spanischen Elitefahrer oder diejenigen, aus den bekannten Teams wurde Platz gemacht, für andere wie uns war es schwieriger. So sind wir entgegen unseren Hoffnungen sogar noch einen Rang im Gesamtklassement zurückgefallen und werden am Ende 25.

Definitiv nicht das, was wir uns erhofft haben und auch nicht das, wozu wir fähig sind. Doch wir haben es selbst "verbockt" und einmal mehr habe ich erkannt, wie viel Wert es bei Etappenrennen ist, wenn man ohne grössere Zwischenfälle durchkommt.
Ich bin zufrieden mit meinem Formstand und mit meiner Leistung. Von meiner Covid-Erkrankung spüre ich nichts mehr und auch sonst habe ich mich sehr wohl gefühlt. Und auch wenn wir mit sehr wenig Ertrag nach Hause kommen, war es eine lehrreiche Woche, die mir Zuversicht und Selbstvertrauen gibt.