2022

23.04.2022

4 Islands Stage Race

Schon länger habe ich dieses spezielle Rennen in Kroatien auf dem Schirm gehabt. Fünf Tage auf vier verschiedenen Inseln mit Starts direkt von der Fähre und einer einzigartigen Atmosphäre. Das Rennen gehört dieses Jahr zur UCI Marathon Series, dem Marathon "Weltcup". So war für mich klar, dass ich das Rennen fahren möchte. Da es sich auch wieder um ein Partnerrennen handelt, suchte ich mir einen Kumpanen für das Rennen und wurde mit Andrin Beeli fündig. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren und waren auch schon öfters zusammen in Trainingslager. 

Das Abenteuer Kroatien startete für uns bereits 10 Tage vor dem Rennen mit etwas Training, Streckenbesichtigung und Familienurlaub. So waren wir dann am Dienstag 19. April bereit, als es in Baska mit dem Prolog los ging.

 

Dienstag, 19. April - Prolog, 13 KM / 300 HM

Kurz und knackig soll der Prolog sein. Steile Rampen, technische Passagen und ein schnelles Finish stehen auf dem Programm. Mit einer Rennzeit von weniger als 30 Minuten ist das definitiv mehr etwas für Andrin, der sich die letzten 15 Jahre auf genau solch schnelle Sachen konzentriert hat. Dementsprechend muss ich von der ersten Minute an ziemlich leiden, um überhaupt an Andrins Hinterrad zu bleiben. Wir kommen aber gut und sicher über die 13 Kilometer lange Strecke und können uns mit 1:47 Rückstand auf die Spitze auf dem guten 7. Rang klassieren. Mit dem Resultat können wir in einem gut besetzen Feld auf jeden Fall zufrieden sein. Ich freue mich aber auf die nächsten Tage, die mir etwas besser liegen sollten. 

 

Mittwoch, 20. April - Stage 1, 71 KM / 1750 HM

Die heutigen  71 harten und stellenweise technisch anspruchsvolle Kilometer konnten wir vor dem Rennen komplett abfahren. Demnach wissen wir, was auf uns zukommt und sollten das Rennen dementsprechend einteilen können. Am 400 Höhenmeter langen Startaufstieg müssen wir nur vier Teams ziehen lassen und können uns in der ersten Verfolgergruppe einreihen. Ich muss da aber schon ziemlich ans Limit gehen und verstecke mich in den darauf folgenden schnelleren Abschnitten in der Gruppe. Andrin hingegen fühlt sich sehr stark und führt viel an der Spitze. Kurz vor der ersten Feedzone muss ich aber das Tempo etwas drosseln und die anderen Teams fahren lassen. Jedoch können wir zwei von den Teams bereits in einer längeren Abfahrt wieder einholen, während von hinten zwei weitere Teams heranrollen. In dieser Konstellation absolvieren wir den intensiven und schnellen Mittelteil der Etappe. Auch hier kann Andrin sehr viel an der Spitze fahren. Er fährt im crosscountry-mässigen Terrain stellenweise so schnell, dass ich kaum nachkomme. Dies führt aber auch dazu, dass wir uns  mit einem anderen Team etwas absetzen können und zwischenzeitlich Rang 5 belegen. Nun geht es in den letzten Berg. Leider muss Andrin aber für seine Tempoarbeit büssen und bricht auf den letzten 10 Kilometern bergab zurück nach Baška komplett ein. Meine Bemühungen, den Vorsprung auf die Teams hinter uns ins Ziel zu retten, bringen leider nichts mehr: wir fallen auf den letzten Kilometern noch bis auf Rang 10 zurück. Im Gesamtklassement können wir den 7. Rang halten. Es ist aber ohnehin noch alles ganz nah zusammen. Nichtsdestotrotz ist die Enttäuschung bei mir in den ersten Minuten nach dem Rennen spürbar. Es bleiben aber noch drei Tage, um zu zeigen, zu was wir fähig sind. 

 

Donnerstag, 21. April - Stage 2, 76 KM / 1250 HM

Die heutige Etappe ist etwas komplett anderes als gestern : kurze Anstiege, schnelle Schotterabfahrten und ein sehr taktischer Rennverlauf. Ich werde in der schnellen Startphase etwas abgedrängt und muss dabei in einen kleinen Busch ausweichen. Dabei verfängt sich ein Ast in meinem Antrieb und ich muss vom Bike steigen, um den Ast zu entfernen. Dabei verlieren zwar nicht viel Zeit aber einige wertvolle Positionen. Wenig später kommt es zum Stillstand und alle Fahrer müssen ein Stück zu Fuss absolvieren. Ein Fahrer drängt sich dabei an Andrin und mir vorbei - was an sich schon ein "No Go" ist. In der darauffolgenden Abfahrt lässt er eine Lücke zur Gruppe aufreissen und macht uns dabei keinen Platz zum Überholen - trotz unserer lautstarken Bemerkungen und Aufforderungen, uns vorbeizulassen. Mit  waghalsigen Manövern kommen wir trotzdem vorbei, müssen aber 10 Minuten lang eine Lücke gegen die grosse Spitzengruppe zufahren. Von da an können wir uns in einer grossen Gruppe halten, es bleibt aber das ganze Rennen lang hektisch. Der "Handorgeleffekt" lässt die Gruppe immer wieder auseinanderziehen und wir müssen stetig wieder voll in die Pedale treten, um den Anschluss zu halten.  Das Rennen gleicht einem Strassenrennen. Irgendwann wird es mir zu schnell und wir müssen eine grössere Gruppe ziehen lassen. Der Effort zu Beginn des Rennens und das andauernde Sprinten hat doch Spuren hinterlassen. Trotzdem fahren wir noch mehr oder weniger gut ins Ziel und werden 12. , fallen im Gesamtklassement aber auf Rang 10 zurück. Es ist aber noch alles offen, denn Rang 5 und 10 trennen nicht mal 2 Minuten.

Es war wieder eine lehrreiche Etappe. Wir hätten zu Beginn noch aktiver um die Positionen kämpfen müssen, dann wäre solch ein Vorfall wohlmöglich zu verhindern gewesen.

 

Freitag, 22. April - Stage 3, 72 KM / 1690 HM

Heute soll einer dieser "epischen" Tage werden, an denen alles passieren kann. Am Start in Merag schüttet es wie aus Eimern und das soll auch noch für einige Zeit so bleiben. Gleich zu Beginn geht's ziemlich steil Berg hoch und es wird ein hohes Tempo angeschlagen. Bald löst sich eine Gruppe mit den vier Besten Teams in der Gesamtwertung - und uns! Doch weil keiner der Topfahrer einen Sturz auf den schmierig nassen Steinen riskieren will, kommt es nach rund 15 Kilometer nochmals zum Zusammenschluss. Wir fahren bei der ersten Feedzone zu weit hinten in der Gruppe in die Zone und verlieren mit Anhalten den Anschluss nach ganz vorne. Erst am höchsten Punkt schaffen wir es, nochmals auf rund 30 Sekunden an die Podestplätze ranzufahren. Bis dahin läuft das Rennen ganz gut für uns. Doch in der technischen Abfahrt habe ich Mühe, mit den anderen Fahrern mitzufahren und ich verliere mehrmals die Kontrolle über mein Bike. Wir verlieren einige Positionen und ich versuche, trotzdem nicht nervös zu werden - was mir nicht wirklich gelingt. Es ist was komplett anderes, wenn man weiss, dass der Teampartner viel schneller fahren könnte und ich selbst der Bremsklotz bin - es gelingt mir auch nicht wirklich diese Situation auszublenden. Irgendwann passiert es: mein Vorderrad rutscht im Singletrail auf einer Steinplatte weg und ich knalle ungebremst auf den Boden. Mein Bike und ich - beide vom Sturz gezeichnet - bleiben aber auf den ersten Blick unversehrt. Später bemerke ich aber, dass meine Reaktionsschnelligkeit und meine Konzentration etwas nachgelassen haben. Ob das mit dem Sturz zusammenhängt, ist aber schwer zu sagen. Irgendwie schaffen Andrin und ich aber die letzten rund 15 Kilometer ins Ziel und werden 10.

 

Die Enttäuschung im Ziel ist riesig, wir hätten heute wirklich die Chance auf eine Top-Platzierung gehabt. Ich bin aber soweit körperlich unversehrt und werde die morgige letzte Etappe in Angriff nehmen können. Mental war es aber ein sehr schwieriges Rennen und es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis ich mich davon erholen werde. Ich darf aber vor Ort auf eine Top-Unterstützung zählen, was in solchen Momenten unglaublich viel Wert ist.

 

Samstag, 23. April - Stage 4, 40 KM / 900 HM

Auf der Insel Lošinj findet die letzte Etappe statt. Mit 40 Kilometer und 900 Höhenmeter ist die Strecke zwar kurz, dafür wird von Anfang an brutal schnell gefahren und ich bin wieder richtig am Limit. Andrin ist sich die schnellen Starts von den Crosscountry-Rennen gewohnt, was es für mich noch härter macht. Dass ich schon wieder am Limit fahre, daran sollte sich bis zur Zieleinfahrt nicht mehr viel ändern. In der ersten längeren Abfahrt holt sich Andrin einen Platten, den wir aber schnell reparieren können. Trotzdem verlieren wir etwas Zeit und auch ein paar Positionen. So folgt eine Aufholjagd und wir önnen nochmals ein paar Plätze gut machen. Gegen Ende der Etappe können wir nochmals ein Team einholen, mit dem wir Richtung Zielgerade fahren. Wir versuchen zwar noch, unsere Gegner bei den kurzen Gegensteigungen zu distanzieren, was uns aber nicht gelingt. Es wird zum Spint kommen. Andrin schaut mich an und fragt, ob wir noch sprinten wollen. Ich fühle mich noch in der Lage dazu und so ist es für mich keine Frage, dass wir den Sprint ausfahren. So ziehe ich den Sprint rund 200 Meter vor dem Ziel an. Andrin kann den Sprint aber nicht mehr mit letzter Konsequenz zu Ende fahren und weil bei solchen Partnerrennen der jeweils Zweitplatzierte vom Team zählt, erreichen wir das Ziel als 11. Im Gesamtklassement hat dieser Sprint aber keine Auswirkungen, denn wir können uns so oder so noch auf den 9. Gesamtrang verbessern.

 

Somit geht eine intensive und sehr lehrreiche Woche mit Höhen und Tiefen zu Ende. Wir konnten diese Woche sicherlich nicht unser ganzes Potenzial abrufen. Trotzdem kann ich viele positive Dinge mitnehmen und weiss, dass die Saison noch sehr jung ist.

 

Mehr zum Rennen! 

Rangliste


27.02.2022

Andalucia Bike Race

Oft wurde ich in den vergangenen Jahren für meine unterhaltsam und authentischen Rennberichte gelobt. In den letzten zwei Jahren fiel es mir oft sehr schwer, diese Berichte in der Unbeschwertheit zu verfassen, wie ich es bislang immer gemacht hatte. Häufig fehlte mir die Zeit, neben Studium und Training diese Texte zu verfassen und ich tat mich schwer, noch mehr Zeit am Bildschirm und mit dem Schreiben von Texten zu verbringen. Denn dies war während den letzten zwei Jahren mit Online-Schooling für mein Studium das, was ich am häufigsten getan habe.

Doch ich habe mir vorgenommen, das Schreiben der Rennberichte wieder aufzunehmen und euch Leserinnen und Leser wieder einen Einblick in meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse während der Rennen zu geben.

 

Sonntag, 20.02.2022 – Ein Tag bis zum Rennen

Es geht los - morgen startet für mich die Rennsaison 2022. Ziemlich unverhofft bin ich vor ein paar Wochen angefragt worden, ob ich Lust hätte, dieses 6-tägige Mountainbike Rennen im Süden Spaniens zu fahren. Das Andalucia Bike Race ist ein Teamrennen, das man im Zweier-Team fährt und gehört zur UCI Marathon World Series. Diese Serie beträgt sieben Rennen und ist mit einem «Marathon-Weltcup» gleichzusetzen.  Mein Partner für diese Woche ist Nelson Vera aus Spanien. Wir lernten uns gestern erst persönlich kennen und werden morgen um 10 Uhr zur ersten Etappe starten. Wir werden während der Woche von Alvaro, einem Freund von Nelson begleitet und wohnen in einem Wohnmobil. Für mich, der sich oft schwertut, sich auf neue Dinge einzulassen, eine erste mentale Herausforderung. Eine Woche mit zwei unbekannten Menschen, wobei ich mich mit Alvaro gar nicht richtig verständigen kann, da er nur Spanisch spricht (und ich nicht.) Das Ganze in einer unbekannten Region, weit weg von Zuhause und mit der Aussicht, die nächste Woche mit den zwei Spaniern in einem Wohnmobil zu wohnen.

 

Montag, 21.02.2022 – Stage 1, 62 KM / 2700 HM

Es wird vermutlich ein harter erster Renntag der neuen Saison mit Start und Ziel in Jaén. Von Beginn an wird ein sehr hohes Tempo gefahren und die rund 160 Elitefahrer sprinten nach einigen hundert Metern auf die erste Streckenverengung zu. Man kann sich etwa ausmalen, was passiert, wenn 160 Rennfahrer auf einen Singletrail zusteuern, auf dem einer hinter dem anderen fahren muss. Wir müssen, wie die meisten anderen Fahrer, kurz vom Bike steigen und verlieren einige Sekunden im Getümmel. Anschliessend entspannt sich die Situation ein wenig und es geht rund 20 Kilometer und 1000 Höhenmeter berghoch. Mein Partner Nelson hat in der zweiten Hälfte des Anstiegs etwas zu kämpfen und so müssen wir einen Gang zurückschalten und einige Teams an uns vorbeiziehen lassen. Ab da versuche ich Nelson so gut es geht zu unterstützen und lasse ihn in den Anstiegen die Pace vorgeben. Auf den letzten Kilometern liefern wir uns einen harten Kampf mit drei anderen Teams. Nelson und ich können uns im Sprint durchsetzen und erreichen das Ziel als 34. Nach 3H12 Renndauer.

 

Dienstag, 22.02.2022 – Stage 2, 64 KM / 2300 HM

Beim zweiten Tag bei Etappenrennen fühle ich mich erfahrungsgemäss am schlechtesten. So kommt mir heute das neutralisierte "Einrollen" auf einer breiten Strasse in Jaèn gerade recht. Doch es ist auch heute hektisch unter den rund 160 Elitefahrer. Nur knapp kann ich zu Beginn einen Sturz verhindern, als einige Fahrer vor mir zu Boden gehen. Ich verliere dabei aber ein wenig den Überblick und verliere auch Nelson aus den Augen. Als es dann in den ersten Aufstieg geht, bin ich mir sicher, dass Nelson hinter mir liegt. So reduziere ich am Ende des Aufstiegs das Tempo, um auf ihn zu warten. Blöd ist nur, dass Nelson zu diesem Zeitpunkt vor mir liegt. So verlieren wir zwar ein wenig Zeit, können aber fortan einen guten Rhythmus fahren und Team um Team überholen. Auch heute dürfen wir atemberaubende Trails fahren und ich persönlich muss auch heute in den Aufstiegen nicht an meine Grenzen gehen. Die letzten Kilometer sind wir mit den zwei selben Teams unterwegs, mit denen wir uns bereits gestern ein hartes Battle lieferten. Im Schlusssprint haben wir auch heute knapp die Nase vorn und sichern uns abermals den 34. Rang. Erfreulich ist vor allem, dass es Nelson heute schon einiges besser lief, das stimmt uns zuversichtlich für die weiteren Etappen.

 

Mittwoch, 23.02.2022 – Stage 3, 70 KM / 1900 HM

Wie bisher jeden Tag ist es auch heute in Andujar wieder sehr hektisch auf den ersten Kilometern. An der Spitze wird ein brutales Tempo angeschlagen, wodurch das Feld nach den ersten flachen Kilometern bald auseinandergerissen wird. Es folgt ein kurzer Anstieg nach dem anderen, welche einer nach dem anderen hochgesprintet werden. Nelson und ich kommen eigentlich gut klar und sind kurz davor, den Kontakt zu einer grösseren Gruppe, um ca. Rang 20 bis 30, zu schliessen. Doch ich sehe durch den vielen Staub in der Luft nicht immer ganz alles am Boden und fahre mir dabei irgendwie einen Platten am Vorderrad ein. Ich bin ein Fahrer, der bislang sehr selten Defekte hat. Wenn ich mir in Vergangenheit Defekte eingefahren habe, dann fast ausschliesslich bei Partnerrennen.

 Wir können den Defekt aber mit einem Plug (ein kleines salamiartiges Würmchen, welches man ins Loch im Reifen drücken kann und zusammen mit der Tubelessmilch dann das Loch abdichtet) beheben und verlieren dabei nur eine knappe Minute. Später tauschen wir das Vorderrad in der Techzone komplett aus. Unser Supporter Alvaro leistet ein super Job und wir verlieren für den Radwechsel nur knapp 30 Sekunden. Von da an läuft es uns beiden sehr gut und wir können die teils steilen Aufstiege und langen technischen Abfahrten gut meistern. Auch heute fahren wir gegen Ende des Rennens auf das eine Team auf, mit dem wir bislang jeden Tag den Schlussprint ausgefahren sind. Wir einigen uns auf «Waffenstillstand» und absolvieren die letzten flachen Kilometer gemeinsam. Am Ende klassieren wir uns auf Rang 36.

 

Donnerstag, 24.02.2022 – Stage 4, 30 KM / 900 HM (Zeitfahren)

Heute steht in Villafranca de Cordoba ein Zeitfahren mit 30 Kilometer und knapp 1000 Höhenmeter auf dem Programm. Wir nehmen uns vor, das Rennen so einzuteilen, dass wir auf den letzten 7 sehr schnellen Kilometer in der Fläche und leicht bergab nochmals richtig Gas geben können. So gibt Nelson die Pace in den Anstiegen vor und ich versuche mich besonders in den steilen Anstiegen zurückzuhalten, da ich mich heute sehr gut fühle. Oftmals könnte ich ein Stück schneller fahren, doch Nelson bewahrt zum Glück Ruhe und überpaced nicht. Wir kommen gut zurecht und können am Ende wie geplant noch etwas aufdrehen und uns komplett leer fahren. Die Ablösungen am Ende sind dann schon ziemlich hart und ich bin froh, als wir die Ziellinie erreichen. Es reicht am Ende mit Rang 28 endlich für eine Top-30-Rangierung. Die Strecke ist für mein Geschmack überragend gewählt. Abwechslungsreich und mit allem, was man auf einer Marathonstrecke haben will. Ich bin generell positiv überrascht von diesem Rennen.

 

Freitag, 25.02.2022 – Stage 5, 80 KM / 1500 HM

Heute steht bei leichtem Regen in Cordoba mit 80 Kilometern und 1500 Höhenmeter die "Königsetappe" an. Bereits nach der ersten Kurve liegen auch heute wieder die ersten Fahrer am Boden. Wir bleiben abermals verschont und können uns auf den ersten Kilometern gut positionieren. Doch auf einmal kann ich Nelson nicht mehr sehen und warte am Streckenrand auf ihn. Ihm ist die Kette herausgesprungen und er musste kurz vom Rad steigen. Ich fühle mich auch heute sehr gut und so führe ich uns wieder an die nächste Gruppe heran. Kurz später passiert dasselbe nochmal: Nelson muss anhalten und vom Rad steigen. Wir verlieren die Gruppe aber können nach wenigen Sekunden wieder weiterfahren. "Also nochmals" denke ich mir und wir können die Lücke wieder schliessen. Ich fühle mich so stark, dass ich mich kurz um Nelson's Gefühl erkundige und mich dann an die Spitze der Gruppe setze. Da sorge ich über mehrere Kilometer für ein hohes Tempo in den Flächen und den leichten Anstiegen. Nelson immer ein, zwei Positionen hinter mir und - wie ich es interpretiere - mit einem guten Gefühl. Ich fühle mich heute unglaublich stark und so drücke ich weiter aufs Gas und wir können im nächsten Anstieg einige Fahrer loswerden. Doch leider werde ich auch bald Nelson an meinem Hinterrad los und so müssen wir das Tempo etwas drosseln. Er habe kein guter Tag heute, meint er. Als uns dann einige Fahrer aus dieser Gruppe davonfahren, bin ich etwas enttäuscht, dass sich die ganze Arbeit, die ich zu Beginn der Etappe verrichtet habe, nun doch nicht auszahlen wird und wir wieder an Boden verlieren. Ich versuche Nelson zu helfen und ihn zu motivieren. Wir können eine Gruppe mit drei anderen Teams halten, mit denen wir uns auf die letzten Kilometer begeben. Ein langer Singletrail schlängelt sich in Richtung Ziel. Ein letzter kurzer Anstieg steht uns noch bevor. Ich attackiere und denke mir "vielleicht kann Nelson mitfahren". Ich höre Nelson's Stimme "Go Fadri, Go!" und weiss, dass wir die anderen drei Teams distanziert haben. Den knappen Vorsprung bringen wir ins Ziel und können uns so den 25. Rang sichern.

 

Samstag 26.02.2022 – Stage 6, 43 KM / 1000 HM

Heute steht bereits die letzte Etappe an. Nelson und ich wollen die Top-30 im Gesamtklassement verteidigen und nochmals ein solides Tagesergebnis erzielen. Es geht natürlich auch heute direkt vom Start weg ordentlich zur Sache. Der erste Anstieg geht bald zu einem Singletrail-Uphill über, wo überholen nicht mehr möglich ist. Wir finden uns in einer Gruppe mit drei anderen Teams ein. Und ehrlich gesagt passiert fortan nicht mehr allzu viel. Wir können uns gut in dieser Gruppe halten und - weil andere Fahrer in der Gruppe unbedingt vorne fahren wollen - können wir uns raushalten und im Windschatten auch immer wieder mal bisschen Kräfte sparen. Meine Beine fühlen sich heute zum ersten Mal nicht allzu gut an. Trotzdem kann ich mit der Gruppe und mit Nelson, der einen guten Tag hat, mitfahren. Etwas erstaunt bin ich, als ich in unserer Gruppe mit Francesco Casagrande einen 51-jährigen Ex-Strassen-Profi ausmache. Dass jemand, der fast gleich alt ist wie mein Vater, noch so schnell Radfahren kann, erstaunt mich bei allem Respekt schon sehr. Und wer Francesco Casagrande nicht kennt, soll mal nach seinem Namen googeln, dann versteht man vielleicht auch, wieso sich da ein gewisser Unmut breit macht. Doch zurück zum Rennen.

Das Finale ist auf derselben Strecke wie gestern und wir fahren abermals mit drei anderen Teams auf die letzten Kilometer. Ich sage Nelson, dass wir es gleich machen sollen wie gestern. Er nickt und wir machen es genau gleich, attackieren am letzten kurzen Anstieg und bringen den Vorsprung ins Ziel. Zielsprint 6/6 gewonnen und somit den 21. Rang gesichert. Im Gesamtklassement können wir uns somit sogar noch auf Rang 24 verbessern.

 

 

Somit geht eine intensive Rennwoche zu Ende. Für mich war es ein unglaubliches Abenteuer. Ein fremdes Rennen mit einem fremden Partner in einer fremden Region zu einer Jahreszeit, zu der ich nie zuvor so ein Rennen gefahren bin. Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden und die Formkurve scheint zu stimmen. Nun geht es weiter mit einem Trainingsblock, bevor dann im April das nächste World Series Rennen in Kroatien ansteht.